Prolog

Nur ein Klopfen trennte den Schiffsbauer von einem zukünftigen Klienten. Er scheute sich nicht, diesen herein zu bitten. Und so betrat Reynir an einem kühlen Frühlingsabend im Jahr 1002 eine Schiffswerft in Haithabu.

“Was kann ich für euch tun?”, fragte der Schiffsbauer grummelig, ohne von den Planken auf zu sehen, an denen er gerade zimmerte.

“Wir brauchen eine Knarr”, antwortete Reynir.

“Und wer sind wir? Wie viele Mann und wie viel Vieh und wohin soll eure Reise gehen?”, wollte der Handwerker weiter wissen.

Reynir begann, die Geschichte zu erzählen: “Schaut auf meine Armschiene. Wir sind die Vegvisir. Unsere Gruppe umfasst acht Männer und fünf Frauen. Eine davon mit Kind. Unser Ziel ist Grönland, denn ich habe gehört, dass Thorvald Erikson Männer zusammen ruft, um mit ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Rede war unter Anderem von Vinland. Ich hörte dort wüchse wilder Wein und ungesäter Weizen.”

“Vinland, wie? Das Schiff wird euch allerdings mehr kosten, als diese nette Geschichte, aber erzählt weiter. Die Erzählung macht mir die Arbeit recht kurzweilig.”,lächelte der Bootsbauer müde.

“Nun zunächst hätten wir offensichtlich mich. Ich bin Reynir Fafnirsson. Als zweitgeborener Sohn eines Landbesitzers auf den Faröer hatte ich keine Chance, das Erbe meiner Eltern an zu nehmen, als sie verstarben. Darum habe ich mich früh zur See begeben, wo ich über die Jahre hinweg meine Gefährten gefunden habe. So habe ich bei einem meiner Halte hier in Haithabu meine Frau Roskva Hugisdottir kennengelernt. Sie gehörte zum einfachen Gesinde, trotz ihrer hohen fränkischen Abstammung. Man munkelt, dass ihre Urgroßmutter unter Rollo im Jahr 911 aus der Normandie geraubt wurde. Mit ihr trat auch Thora Leifsdottir an mich heran, die sich so eine bessere Zukunft erhoffte, da sie zum Gesinde desselben Herrn gehörte wie Roskva. Außerdem begleiten mich Aldur den Gra und seine beiden Söhne Olaf und Logi. Sie hatten sich von Birka nach Haithabu aufgemacht, um hier ihr Glück zu machen. Und sie haben mich gefunden. Doch bevor ich auf diese treuen Gefährten gestoßen bin, habe ich die Bekanntschaft von Freki Glodraudi gemacht, der mich – von Island kommend – bei einem Halt auf den Faröer angesprochen hat und der mich noch immer begleitet. Mag sein, dass er mir Anstoß zur diesen Reisen gegeben hatte. Mit ihm trat auch Ragnhild Denferda an mich heran. Ihr hatten die Götter bestimmt, Island zu verlassen und umher zu reisen. Auf unsrem gemeinsamen Weg zum Festland rettete ich Alvar Dalkursson aus einer brenzligen Situation. Er hatte sich aus den brennenden Ruinen seines Dorfes auf See gerettet, wo wir ihn aufgefischt hatten. Zum Dank bot er sich an, Freki und mir als Leibwache zu dienen. Zu guter Letzt will ich nicht von Ari Edwinson und Gunni Meinfretr schweigen. Die Beiden, die wie Brüder zu einander stehen, falls sie sich nicht noch näher sind, nahmen mir in mancher Stunde viel Arbeit von den Schultern.”

Der Schiffsbauer lächelte. “Nun denn”, antwortete er, “danke für diese Geschichte. Trotzdem werde ich für den Bau Material und Silber brauchen…und Zeit.”


© Roskva Hugisdottir